Flehmen
Typisches Hochziehen der Oberlippe, mit dem ein Pferd bestimmte Geruchsstoffe über das vomeronasale Organ genauer untersucht.
Flehmen ist ein auffälliges Verhalten, bei dem das Pferd den Kopf anhebt, den Hals streckt und die Oberlippe nach oben einrollt. Dadurch gelangen bestimmte Geruchsstoffe leichter an das vomeronasale Organ, ein zusätzliches chemosensorisches System. Besonders häufig sieht man Flehmen bei Hengsten nach dem Untersuchen von Urin oder Gerüchen einer rossigen Stute.
Auch Stuten, Wallache und junge Pferde können flehmen. Neue oder intensive Gerüche reichen dafür mitunter aus. Das Verhalten ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen sexueller Erregung oder Krankheit. Entscheidend ist der Zusammenhang, in dem es auftritt.
Bei Bauchschmerzen kann ein Pferd ebenfalls die Oberlippe anheben oder eine flehmenähnliche Haltung zeigen. Treten gleichzeitig Unruhe, Scharren, Wälzen, Fressunlust oder andere Kolikzeichen auf, sollte das nicht als harmlose Geruchsreaktion abgetan werden. Flehmen ist somit ein normales Kommunikations- und Erkundungsverhalten, dessen Bedeutung erst aus Situation, Begleitverhalten und Gesundheitszustand des Pferdes richtig eingeordnet werden kann. Besonders bei Hengsten gehört es zum normalen Erkundungsverhalten rund um Fortpflanzungsgerüche und ist deshalb im Zuchtalltag häufig gut zu beobachten.
